Meine schönste Motorradtour 2024

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Lesedauer // Reading time: 17 Min.

Es waren nur zwei Tage, ich fuhr wenig beeindruckende 650 Kilometer und saß nicht mal 13 Stunden im Sattel. Und doch war diese Fahrt in die Schweiz meine schönste Motorradtour 2024. Lasst Euch erzählen, warum.

Das Symbol von MotorProsa: die Füllfeder.

2024 war ein intensives Motorradjahr. Wie in den Jahren zuvor war ich meist mit meiner Zero SR/F unterwegs. Zwar erfasse ich Strecken und Kilometerstände mangels Statistikpassion nur selten, aber der Reifenverschleiß des Elektro-Roadsters sprach eindeutig.

Die Ducati durfte in den Dolomiten Fotomodell spielen – und hat mir dabei schmerzhaft zu verstehen gegeben, dass sie eigentlich auf die Rennstrecke und nicht auf verwinkelte Pässe gehört. Habe ich auch 2024 wieder ignoriert. Ganz untypisch für die 748: Sie verlor rund um das Sellajoch ein paar Schrauben, der Monoposto hing danach nur noch lose am Rahmen.

Der Road King kam im Frühjahr frisch aus dem Fitness-Studio, Johnny von Etschside Custom optimierte das Fahrwerk. Nun kann die Harley nicht nur cool aussehen, sondern auch königlich Kurven fahren, und das habe ich auf meinen Lieblingspässen und mehreren Kurzausflüge in das Engadin sehr genossen.

Die Teilnahme am MiMoto-Treffen im Vercors (FR) musste ich leider absagen. Dort hätte sich nach zehn Jahren der Kreis meiner Harley-Reisen durch Frankreich geschlossen, doch es kam mir ein größeres Projekt dazwischen. Allerdings hatte meine liebe Kollegin steph für ihre Anreise einen Zwischenstopp bei mir eingeplant – und weil wir gerne gemeinsam Motorrad fahren, packte ich spontan vier Siebensachen.

Start zur
 schönsten Motorradtour 2024

Steph bittet mich noch in meiner Tiefgarage mit einer freundlichen Handbewegung nach vorne. Sie will hinterher fahren. Doch schon nach 30 Kilometern geht es nicht mehr weiter: Vollsperrung wegen eines Unfalls. Wir fahren einen Schleichweg, haben dann auf dem Weg zum Ofenpass freie Bahn und können uns perfekt einschwingen.

MotorProsa auf Tour: Einschwingen auf dem Ofenpass
Einschwingen auf dem Ofenpass

Das dumpfe Stampfen des Kings hallt von den Felswänden wider und verliert sich im Nadelwald des Schweizer Nationalparks. Die Harley ist schwachbrüstig, ihr irres Gewicht bremst jeden Anflug von Dynamik – und genau DAS macht das Fahren mit ihr so entspannend.

Das ist ganz im Sinne von steph. Während ich für dieses eine Mal keine Geschichten im Kopf mitschreiben will und muss, genießt steph das „Ich muss mich um nichts kümmern“. Sie wird auf dem Anstieg zum Albulapass zwar gelegentlich sehr groß im Rückspiegel, das liegt aber am jenseitigen Spurtvermögen ihrer wunderschönen 1100er Monster.

Der Albula verzaubert. Immer. Zwischen kargen Hängen auf die Passhöhe zuzurollen und dann ins immer grüner werdende Albulatal hinabzustürzen ist jedes Mal ein Erlebnis. Steph tanzt mit ihrer federleichten Ducati durch die Kurven, ich fange den auf der Talfahrt gern übermütig werdenden King mit beherzten Tritten auf das Bremspedal in LKW-Größe ein.

MotorProsa unterwegs: Alt und neu trifft sich in Bergün
Alt und neu trifft sich in Bergün

Noch bei jeder Fahrt über den Albula hab ich mir gewünscht, auf dem Landwasser-Viadukt bei Filisur eine Garnitur der Rhätischen Bahn zu erblicken – und jedesmal versprach ich mir, bis zum Viadukt zu wandern und mein Traumfoto zu schießen. Aber diesmal ist es anders. Hinter Bergün beschleicht mich das Gefühl, dass mein Wunsch heute wahr werden könnte, und ich täusche mich nicht: Aus den Augenwinkeln erblicke ich einen der typisch roten Züge, der von Tiefelcastel kommend in unsere Richtung fährt.

Ich bringe den King auf einem Parkplatz staubaufwirbelnd zum Stehen, löse dabei leichte Panik in einer Gruppe Motorradfahrern aus. Steph wird mit wenigen Anweisungen in Stellung gelotst, dann zerre ich, keine Sekunde zu früh, die Kamera aus dem Seitenkoffer: Klick!

MotorProsa unterwegs: Ein spezieller Moment am Landwasser-Viadukt
Spezieller Moment am Landwasser-Viadukt

Foto gelungen, Wunsch erfüllt. Unsere Fahrt geht weiter, unter dem demütig machenden Brienzer Rutsch hindurch bis nach Thusis. Den Besuch der Viamala-Schlucht sparen wir uns, biegen aber später zur Rheinschlucht ab und staunen  bei dampfendem Kaffee – der Piknik-Tasche meiner Harley sei Dank – in die Tiefe, sehen mutigen Kanuten zu und freuen uns über den nächsten Zug der Rhätischen Bahn, der sich dem Ufer entlang schlängelt. Die Eisenbahn scheint zu einem Thema dieser Tour zu werden.

Hoch über der Ruinalta wird es spannend. Das ist kein alpiner Boulevard im Schweizer Stil, sondern ein bemitleidenswert geprüfter Pfad hinter luftigem Bündnerzaun. Er fordert die aktive Mißachtung meiner Höhenangst. Doch schon wenige Kilometer später wird ein wunderbares Stück Motorradstraße daraus, kurvig und übersichtlich verlaufend, und es bringt uns nach Valendas, wo steph am Bahnhof – klar – einen Imbiss kennt. Wir hängen dort den neuen Eindrücken nach und beschließen, irgendwann mal mit dem Cabrio-Postauto durch die Rheinschlucht zu fahren.

Der von hier knapp 60 Kilometer entfernte Oberalppass ist für mich der kürzeste Weg in Richtung Innerschweiz. Und der schönste. Ich liebe es, den Vorderrhein entlang zu fahren, entspannt und unaufgeregt auf der erstklassigen Fahrbahn durch kleine Dörfer zu rollen, den Blick in die Ferne zu halten. Ich mag es, vom riesigen Kloster Disentis beeindruckt zu werden, mir gefällt, wie die Straße mit jedem Kilometer näher zum Pass schmaler und steiler wird und mich zum ikonischen Leuchtturm auf 2000 Metern Höhe bringt. Steph wartet schon dort – ihre Monster ließ sich in den Serpentinen nicht länger hinter der Harley halten, deren Trittbretter flehten funkensprühend um Mäßigung.

Ab jetzt geht es bergab. Anfangs eher flach, fällt die Straße in herrlich fahrbaren Kurven immer steiler nach Andermatt. Ich fühle mich angekommen. Hier war ich schon als Fotomodel, als Precision Driver und zum reinen Vergnügen unterwegs, immer mit lieben Freunden und guter Laune. Nun freue ich mich auf die Fahrt über eine der schönsten mir bekannten Straßen, den Sustenpass. Wie dieser es jedes Mal schafft, mich in seinen Bann zu ziehen, ist irre.

Die Teufelsbrücke und die dramatische Schöllenenschlucht liegen hinter uns, ebenso das Klettern aus Wassen heraus in die Höhe. Vor uns liegt eine Fahrstraße erster Güte, die durch ihre Streckenführung und die sie umgebende Landschaft verzaubert. Sie zwingt mich umgehend in den Flow. Fokussiert auf die perfekte Linie durch das Meiental schwingen steph und ich, mittlerweile in unserem Fahrstil ähnlich und harmonisch, die 20 Kilometer zur Passhöhe – und verweilen dort, am kleinen See, für einige stille Momente.

MotorProsa unterwegs: Auf der Passhöhe des Susten
Auf der Passhöhe des Susten

Steph hat uns eine besondere Unterkunft gebucht. So besonders, dass mein Navi sie nicht kennt – das mag auch daran liegen, dass ich mein Navi nicht kenne. Das Evergrin in Gadmen liegt unweit von Innertkirchen auf der Susten-Westrampe, und dieses unbeschreiblich schöne Stück Traumstraße wird zum Höhepunkt unseres Fahrtages. Ein wunderbares Bauwerk schlängelt sich, garniert mit Brücken, Viadukten und Tunnels, mit beeindruckenden Ausblicken ins Tal. In ungezählten Kurven, gesäumt von mit Schweizer Präzision gesetzten Steinmauern feiern wir das beste Hobby: Motorradfahren in den Bergen.

Das Evergrin. Ein Ort mit besonderer Magie, die sich auch auf den zweien Blick nicht ohne Weiteres erschließt. Es ist nur rudimentär ausgeschildert und über einen schmalen Feldweg, der mich sofort „Falsch abgebogen“ denken lässt, zu erreichen. Es ist im Wortsinn bunt und anders, ungewöhnlich. Es erscheint wild und sich selbst überlassen, aber das sich im Chaos stapelnde Gerümpel entpuppt sich als ein Konglomerat von Sitz- und Liegegelegenheiten, Zeitvertreibern, Sammlerstücken, Veranstaltungstechnik und und und.

Wir staunen und wundern uns. Wir blicken auf ein riesiges Wohnhaus aus Stein und Holz, auf eine vorgelagerte Wiese mit prachtvollen Obstbäumen, entdecken freistehende Bauwagen, Badewannen und Feuerstellen im Grün, Trampolins und überdimensionale Gartenstühle – und werden von diesem Flair sofort umfangen. Alles ist liebevoll, aber derart lässig arrangiert, dass eine spontane Unordnung nichts am Liebevollen ändern würde.

MotorProsa unterwegs: Das Evergrin – ein wundervoller Ort
Das Evergrin – ein wundervoller Ort

Unsere Gastgeberin Isa empfängt uns nicht, nein, sie freut sich von Herzen. Wir werden nachdrücklich umarmt und dann durch das Haus geführt. Das ist eine Offenbarung: Alles selbstgebaut, gebastelt, wiederverwertet oder von guten Seelen gespendet. Es gibt keine zwei gleichen Stühle, Teller oder Gläser und vor allem nichts Neugekauftes. Jede Ecke ist mit Büchern, Kreativem oder Sinnvollem gefüllt, die Türen aller Räume stehen offen, alles ist für alle da, alles gehört allen.

Isa bietet mir Zimmer in allen Preisvarianten an – oder einen Bauwagen im Grünen. Steph hat sich bereits einen reserviert, natürlich wähle auch ich einen: Ein uraltes Ding, von hier betreuten und begleiteten Menschen renoviert. Er ist wundersam schrullig eingerichtet, ein Holzofen steht in der Ecke, vor den Fenstern hängen rot-weiß karierte Vorhänge. Das ist besser als jede Suite, nur nächtliche Toilettengänge sind schlechter. Mit den Worten „Fühlt Euch wie zuhause“ lässt uns Isa dann allein.

Im Abendlicht erzähle ich steph von der Panoramastraße Oberaar, einem Zubringer hoch über dem Grimselsee. Leonoor Fischer, Reisende aus den Niederlanden, hat einige Wochen zuvor ein Video darüber veröffentlicht – seitdem möchte ich dort hin. Und weil wir ohnehin noch tanken und etwas essen müssen, sind wir Minuten später wieder unterwegs, rollen nach Innertkirchen und zum Grimselpass. Doch die Nacht holt uns ein. Die Panoramastraße im Dunkeln zu fahren, wäre sinnfrei – es morgens zu tun, ist sehr viel besser. So verkriechen wir uns, nach einem ausgiebigen Abendessen in Guttannen, in unsere Bauwagen.

Um 6.00 Uhr in der Früh hat uns der Grimselpass wieder. Unsere klangstarken Motorräder knistern in der kalten Morgenluft, im Alpenrösli und in einigen Wohnmobilen gehen die Lichter an. Aufstehen! Und während wir über die Felsen unweit der Passhöhe klettern, geht über dem Gotthardmassiv die Sonne auf.

MotorProsa unterwegs: Morgens um 6.00 Uhr auf dem Grimselpass
Morgens um 6.00 Uhr auf dem Grimselpass
MotorProsa unterwegs: Morgens um 6.00 Uhr auf dem Grimselpass
MotorProsa unterwegs: Morgens um 6.00 Uhr auf dem Grimselpass
MotorProsa unterwegs: Morgens um 6.00 Uhr auf dem Grimselpass

Wir erleben ein Naturspektakel. Mit jeder Minute wärmt uns die Sonne stärker, schält Farben aus dem karg bewachsenen Fels, vertreibt das Dunkel aus den Tälern und lockt Murmeltiere aus ihren Bauten. Und der Parkplatz füllt sich: Gleichgesinnte halten ihre SmartPhones in die Morgensonne, es beginnt das Schaulaufen der Schweizer Motorradszene, begleitet von der Fanfare des Postautos. Wir haben gefrühstückt und uns die Tickets für die Panoramastraße besorgt, stellen uns als Letzte in die Warteschlange an der Ampel.

Denn so können wir so langsam fahren, wie wir können und stehenbleiben, wo wir wollen. Für die sechs Kilometer bis zum Berghaus Oberaar bleiben uns 30 Minuten – in dieser Zeit verschüttet uns eine Lawine von Eindrücken. Wir blicken auf den gigantischen, grünen Grimselsee unter uns, suchen unseren Weg über die schmal in den Stein geschnittene Straße, werfen unsere Blicke auf die in der Ferne in den Himmel stechenden Viertausender und auf langgezogene, aber verschwindende Gletscherzungen. Wir hangeln uns zwischen Felsen und Leitplanken den Berg entlang, rollen durch eine überwältigende Landschaft und suchen schließlich auf der Staumauer des Oberaarsees, der vom mächtigen Oberaarhorn gekrönt wird, nach Worten für das soeben Erlebte.

MotorProsa unterwegs: Blick über den Oberaarsee
MotorProsa unterwegs: Blick über den Oberaarsee
Blick über den Oberaarsee

Mehrere Stunden lang wandern wir die Ufer des Sees entlang, blicken über das Wasser, liegen im Grün der abfallenden Wiesen und beobachten Greifvögel, vergessen dabei die Zeit. Wir haben wieder einen besonderen Ort gefunden.

MotorProsa unterwegs: Blick über den Oberaarsee
Blick über den Oberaarsee
MotorProsa unterwegs: Auf der Panoramastraße Oberaar
MotorProsa unterwegs: Auf der Panoramastraße Oberaar
Panoramastraße im Wortsinn

Die Rückfahrt zum Grimselpass fällt schwer. Zuviele Fotos wollen noch geschossen werden, zuviele Aussichtspunkte bieten zuviele Gelegenheiten, in grandiosen Panoramen zu versinken. Wir könnten den ganzen Tag lang hier verweilen. Doch ich muss heute noch nach Hause und werde für diese Fahrt mindestens sechs Stunden benötigen.

Also fahren wir die blühende Meienwang hinab, nicht ohne – klar – die Zuggarnitur der historischen Furkabahn zu bestaunen. Sie füllt den Talboden rund um Gletsch mit ihren Dampf- und Rauchschwaden, beißender Kohlegeruch drängt in unsere Helme. Das muss man gesehen und vor allem gerochen haben. Natürlich schreit auch das Hotel Belvédère am Furkapass nach einem Foto – aber Hunderte Andere hören den Ruf ebenfalls, der Parkplatz läuft über. Wir verzichten, reihen uns wieder in den mühsam gewordenen Verkehr ein. Und wundern uns während der Talfahrt über die Fahrkünste einiger Kollegen. Deren Fahrstil scheint von dringender Todessehnsucht geprägt zu sein.

MotorProsa unterwegs: Blick auf die Meienwang und den Grimselpass
Blick auf die Meienwang und den Grimselpass

Stephs Blick bei meiner Frage nach der Tremola spricht Bände. Egal, wie knapp der Zeitplan ist: Der Kreisverkehr in Hospental schickt mich immer auf den Gotthard. Und das nicht auf schnellstem, sondern auf rustikalstem Weg: auf den Pflastersteinen der Tremola. Steph hat nichts dagegen, so lösen wir uns aus der hektisch zur Passhöhe strebenden Fahrzeugkolonne und wählen den Weg über DEN Schweizer Klassiker schlechthin.

Die Harley wird redlich durchgeschüttelt. Zierbleche, Gepäckträger und offenbar lockere Schrauben schaffen auf den Granitwürfeln ein neues Klangbild. Was steph auf ihrer Ducati hört, weiß ich nicht. Ich hab sie vorausgeschickt, sie soll weiter vorne auf der roten Mittellinie stehen bleiben und sich hinter dem Motorrad auf das Pflaster setzen.

Denn ich hab ein Foto im Kopf:

MotorProsa unterwegs: Steph auf der Tremola
MotorProsa unterwegs: Steph auf der Tremola
steph auf der Tremola
MotorProsa unterwegs: Steph auf der Tremola
steph auf der Tremola

In Zeiten, in denen jede Sekunde zählt, wird die Tremola nicht mehr auf die Navis gespielt. Wer über den Gotthard in den Süden will, der wählt den Straßentunnel oder die wenigkurvige und in Galerien versteckte Hauptstraße 2. Angesichts des sommerlichen Verkehrsaufkommens möchte man sich das Chaos auf der Tremola auch gar nicht vorstellen – das würde Stillstand für Tage bedeuten.

Wir erfahren das Pflaster in Schrittgeschwindigkeit. Millionen von Steinen gleiten unter unseren Reifen hindurch, und wir wären nicht in der Schweiz, würde auch nur ein einziger davon fehlen. Mächtige Stützmauern drücken die Straße an den Berg, wir schwingen durch ihren typischen Verlauf, den Dutzende von Drohnenfotografen täglich aufs Neue in Social Media-Kanäle pushen, und weder von der Harley noch von der Ducati fällt ein Teil ab.

Es ist kurzweilig, die Fotosessions sind ausführlich, die Pausen erholsam und die Gespräche über Gott, die Welt und ihre Pflastersteine herzlich. Ich rechne jederzeit mit der klassischen fünfspännigen Gotthard-Postkutsche, die zwischen Andermatt und Airolo unterwegs ist – doch ausgerechnet sie tut mir den Gefallen nicht. Darüber wird plötzlich früher Nachmittag und ich kann meinen Aufbruch nicht länger hinauszögern. Unter dem Oberalp-Leuchtturm, wo wir uns bei Kaffee und Kuchen verabschieden, blicken wir als Letztes in den dunkler werdenden Himmel und erkennen: Wir werden beide durch Regen fahren müssen.

Steph bleibt noch ein paar Tage im Evergrin; ich versuche, dem Umwetter durch Ignorieren des Tempolimits zu entfliehen. Das gelingt mir bis Thusis, dann werde ich gnadenlos überholt und beim Blick ins Albulatal gewarnt: Wage es nicht! Durch fett-schwarze Wolken zucken pausenlos Blitze.

MotorProsa unterwegs: Das Wasser steigt ..
Das Wasser steigt ..

Zwar meldet das Regenradar eine Wolkenlücke am Julierpass, doch ich muss an einer Tankstelle Zuflucht suchen. Starkregen setzt binnen Minuten alles knöcheltief unter Wasser, mir wird leicht unlustig, als meine Stiefel volllaufen. Gute zwei Stunden lang lässt die Lücke auf sich warten, erst dann kann ich mich ins trockene St. Moritz retten und erreiche schließlich, im letzten Tageslicht, mein Zuhause. Nie zuvor wurde ich auf einem Motorrad derartig eingeweicht – ich bin nass bis auf die Knochen.

Auf dieser kurzen Tour war alles dabei. Nicht nur Zuggarnituren, sondern erfüllte Wünsche, gutes Motorradfahren, neue Erlebnisse und angenehmste Gespräche. Dazu perfekte und herausfordernde Straßen, beeindruckende Natur, brennende Hitze und ein irrer Wolkenbruch. Und deswegen war das meine schönste Motorradtour 2024.

Vielen Dank dafür,
liebe steph!

Das Symbol von MotorProsa: die Füllfeder.

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5 Kommentare zu „Meine schönste Motorradtour 2024“

  1. Lieber Jürgen, du wahrhaftiger Meister der Prosa,

    wie jedesmal beim Lesen deiner Texte war ich sofort wieder einmal mittendrin .. diesmal umso mehr, da es auch ein Teil meiner schönsten Motorradtour 2024 war .. ein herzliches Grazie mille dafür .. es ist stets ein großes Geschenk für mich, mit dir unterwegs zu sein =))

    Voller Vorfreude auf die Saison 2025
    steph

    Antworten
  2. Super geschrieben!! Wie IMMER halt gratuliere & Danke für den Bericht…
    Ich bequatsch gerade meine Liebe zu dem Thema…
    Bei mir wirds dann allerdings „mit nem dreirädrigen Boot“ auf der Agenda stehen.. 😉

    Antworten
  3. Hi Jürgen,
    danke für dieses wieder mal geniale und sehr lesenswerte Fernweh-Meisterwerk!
    Zwar durfte ich den Albulapass erst einmal befahren, jedoch hat er es auf Anhieb in meine Top-10-Lieblingspass-Liste geschafft und der Julierpass gehört eh dazu. Die Tremola war uns damals leider nicht vergönnt, ist aber definitiv ein Grund, eine weitere Tour durch die wunderschöne Schweiz auf die Must-have-seen-Liste zu setzen. 😉
    LG
    Susy

    Antworten

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