
Januar 2026 – ein Paukenschlag dröhnt durch die Motorradszene. Verge Motorcycles und die Alchemisten von Donut Lab haben es offenbar geschafft, die Batterietechnik nicht nur auf das nächste Level zu heben, sondern zu revolutionieren. Willkommen, Solid State! Willkommen Reichweite! Willkommen Ladegeschwindigkeit!

Wisst Ihr noch? Die älteren unter uns gewiss: Das Motorrad, ein klingendes, riechendes Ding. Wähle Deine Klangversion: Holprig-dumpfes Bollern, irres Kreischen oder heißeres Röhren. Wer auf Ohrenschmerzen steht, wählt den Boxer. Dazu markerschütterndes Getriebekrachen beim Start in den Tag – der Notenschlüssel fast aller Motorräder.
Die olfaktorischen Varianten reichen von beißend riechenden Kaltstart-Benzinfahnen bis zu auf Auspuffen bratendem Kuhmist. Und es will Zuwendung, so ein Motorrad: Füllstände des Motors und diverser Behälter wollen kontrolliert, der Tank stets aufs Neue befüllt werden. Die Antriebskette verlangt ununterbrochen Reinigung und Schmiere. Es gibt immer was zu tun – ein zeitvertreibendes Vergnügen mit Budget-Anforderungen, denn redliches Werkzeug und Garagenausstattung sind beim Kauf eines Motorrads eher nicht mit dabei.
Für sogenannte „richtige“ Motorradfahrer ist Schrauben essentieller Teil ihres Bikertums. Bösere Zungen nennen es zeitraubende Notwendigkeit und ich gebe zu: Seit einiger Zeit hasse ich es wie die Pest, meine Finger an schmierige Ketten, sabbernde Ölschrauben und festgebackene Scheiße zu legen. Schuld daran ist meine Zero SR/F. Sie verlangt nur etwas Zeit am Stromkabel und die Kontrolle von Reifendruck und Riemenspannung. Das ist bequem, deswegen ich bin zur faulen Wartungs-Sau geworden. Ohne groß nachzudenken, ohne zig Hebel umzulegen, ohne Checklisten abzuarbeiten einfach aufsitzen und losfahren.
Dass die Fahrt mit meiner Zero meist an einer Ladesäule endet und dort Lebenszeit draufgeht, mag ich nicht bestreiten. Auch nicht, dass dies etwas nerven kann. Es hatte schon Gründe, dass ich vierstellig in den optionalen Rapid Charger investiert habe.
Revolution
bei den Elektrikern
Warum ich Euch das alles erzähle? Nun, das mit dem klingenden und riechenden Ding, das bekuschelt werden will, ist Geschichte. Denn es hat sich was getan bei den Akkuschraubern. Keine Optimierung im Detail, nein: Es findet nichts weniger als eine Revolution statt. Plötzlich ist es möglich, über 300 Kilometer am Stück zu fahren, und dies mit außerirdischer Power dank bis zu 1200 Nm* Drehkraft (*Verge TS Ultra) am Hinterrad. Doch nicht genug: Da kommt eine Batterie, die sich innerhalb von Minuten (!) vollladen lässt. Und das Hunderttausend Mal, ohne zu platzen, ohne Feuer zu fangen, ohne Kapazität zu verlieren. So das Versprechen.

Revolutionsführer ist die 2026er Verge TS Pro. Sie dreht alles bisher Kritisierbare auf Links. Mit ihrer 33,3 kWh großen Batterie kann sie die Alpen ohne Ladestopp überqueren. Einfache Rechnung: Eine Zero SR/F verbraucht bei feurigen Ritten im Schnitt 110 Wh pro Kilometer. Das wird bei der Verge TS nicht großartig anders sein, also: 300 Kilometer Reichweite.
Selbst wenn der Rollwiderstand des eventuell etwas übertrieben breiten Hinterreifens nur 250 Kilometer erlauben sollte, spielt das bei 200 kW Ladespeed absolut keine Rolle. So schnell ist die Milch für den Cappuccino gar nicht aufgeschäumt wie die Batterie wieder geladen.
Nur zur Einordnung: 200 kW Ladeleistung, das ist lustige 16mal schneller als es meine mit Ladeequipment für +3000 Euro gepimpte Zero schafft. Gut – für die 200 kW muss man Verge genau den gleichen Betrag zusätzlich überweisen. Aber: 16mal (!) schneller!
„Aber die Reichweite!“ „Die stundenlange Ladezeit!“ „Und die Entsorgung?“ Ich kenne alle Trigger von eifrigen Verbrennerfreunden und richtigen Motorradfahrern. Und sie kratzen mich nicht. Meine Zero wurde mir nicht aufgezwungen, ich habe sie bewußt gekauft. Ich hab die Fragen, wie lange ich einer Steckdose beim Warmwerden zusehen muss oder wie weit ich mit einer Ladung komme, vor dem Kauf gestellt – und komme immer noch gut damit klar.
Mit der 2026er Verge TS und ihrer Solid State-Batterie von Donut Lab werden diese Fragen nun auf einen Schlag belanglos. Selbst an das Thema Emotionen läßt sich ein Haken machen – wer auf dieser Maschine Strom gibt, schreit vor Freude in den Helm.
Die durchaus asozialen Netzwerke laufen jetzt heiß, denn die TS Pro läßt die wesentlichsten Nachteile eines Elektromotorrades in Rauch aufgehen und nimmt Kritikern ihr Spielzeug weg. Plötzlich wird nicht mehr über Kobalt-Kinder im Kongo referiert, sondern über Hinterräder, die „niemand wechseln und wuchten kann“. Typen, die sich tonnenschwere Metallschachteln an ihre Adventures stecken, bemängeln „hohe ungefederte Massen“ und sorgen sich um den Dreck in den Kühlrippen des Motors.

Erschütternd, wieviel Möchtegern-Fahrzeugkonstrukteure es besser wissen (wollen).
Motorrad,
neu gedacht
Die Konstruktion einer Verge TS ist modular, gänzlich neu gedacht. Ein Blick von der Seite erklärt es: Vorderrad, zentrale Batterie, Hinterrad – fertig. Das Design ist nun wahrlich nicht jedermanns Sache, aber was dieser wie mit der Axt geformte Aufbau bedeuten kann, hat Marc Travels in Schottland erlebt: Motortausch innerhalb weniger Stunden, ganz einfach im Service-Van.
Das ist bei einem „richtigen“ Motorrad unvorstellbar.

Zu gut,
um wahr zu sein?
Modular bedeutet weiters, dass auch bereits gebaute TS die neue Batterie-Technik bekommen können. Der Verge-Mensch im Werbevideo meint souverän: „Just send us an Email and we’ll take care“. Dass der Elektriker der Zukunft 24/7 online ist, Funktionsupdates per Internet eingespielt bekommt und dass Fehler Over-The-Air diagnostiziert und behoben werden, erstaunt dann schon gar nicht mehr.
Ob sich das alles am Ende von Quartal 1.2026 4.2026, wenn die ersten Solid State-TS ausgeliefert werden sollen, bestätigt? Nicht nur die kleine Blase der Steckerbiker, sondern die gesamte Mobilitätsbranche wird ganz genau wissen wollen, was Phase ist. Journalisten, Influencer, Tester, die Konkurrenz … sie werden sich darum prügeln, eine der Donut Lab-Batterien in die Finger zu bekommen.
Ich bin da ganz zuversichtlich – es kann ja durchaus mal nach vorne losgehen.
Technisches
- Leistung: 102 kW (TS Ultra: 150 kW)
- Drehmoment: 1000 Nm (TS Ultra: 1200 Nm)
- Akkugröße: bis zu 33,3 kWh
- Reichweite: auf dem Papier bis zu 600 km
- Vmax: 200 km/h
- Gewicht: 235 kg
- Preis: leider jenseit von Gut und Böse
Verge TS Pro.
Genau mein Ding
Die Verge TS Pro gehört in meine Garage. Krasses Design, feinste Komponenten, High End-Elektromobilität ohne Kompromisse – ein eindeutiger Kaufbefehl.
Ohne Kritik gehts trotzdem nicht. So genial sich Reichweiten und Ladespeeds anhören – und sind – und so gerne man genau deswegen auf Tour gehen mag: Rund um das nur angedeutete Heck wird es gepäcktechnisch eng. Eine Badehose kann man gleich anziehen und Sandalen an den Lenker binden, aber eine Fotoausrüstung mit kleinem Schwarzen für den Abend spielt es nicht. Freunde eines Tankrucksacks werden staunen – der Bereich vor der Wampe gehört Displays, die man nicht verdecken will.

TS-Käufer werden Lösungen dafür finden. Denn wer mindestens 36.500 Euro überweist, findet Wege, keine Schwierigkeiten. Leider muss ich gestehen – am Preis für das Ding werde ich vorerst scheitern.
Übrigens: Um Idioten, die Fahrer von Elektromotorrädern in der homoerotischen Szene verorten, noch ein wenig mehr zu triggern, bietet Verge die TS Pro auch in Pink an. Ich soll verdammt sein: Sobald mein Kreditmensch das OK für die Finanzierung gibt, bestelle ich eine Verge TS Pro in genau DIESER Farbe.

Und Du? Was machst Du?

Links
zum Nachschlagen
- Moppetfoto
Der mit den geilen Fotos – DANKE für das Titelbild! - Verge Motorcycles
Die Erbauer des Wahnsinns - Donut Lab
Die Typen hinter der Revolutionsbatterie - Südtiroler Volksbank
Die müssen mir den Spaß finanzieren
Das ist ja ein Hammerteil! Und mich erfreut eine solche Maschine sehr, denn sie zeigt, was technisch mittlerweile möglich ist ➡️ und damit auch, was wir in Zukunft erwarten werden können.
Ja, nur am Preis… daran würde es auch bei mir derzeit noch scheitern. Sonst wäre ich sofort mit dabei. Ich sehe nur Vorteile: Maximal wartungsarm, leises Gleiten und ich liebe moderne Technik.
Wenn…, dann auch die in Pink.
Sowas muss provozieren. Ich will die Entsetzensschreie hören!
Gruß. Rolf (moro)
Ganz genau, Rolf. Wenn schon, denn schon – so sehe ich das auch! 😉
Freue mich schon drauf in ein paar Jahren eine SSB in meine Zero SR/S einzubauen!
DAS wäre natürlich der GameChanger. Allein, mir fehlt der Glaube ..