
Seit Anfang 2025 bin ich Drohnenflieger. Die Faszination der neu möglichen Perspektiven wurde einfach unwiderstehlich, das „Haben Wollen“-Gefühl zu stark. Die Anfänge waren herausfordernd – das mit dem Meister, der vom Himmel fällt, erlebte ich schon am ersten Tag. Jetzt, nach einem Jahr, ist es etwas anders. Komm, flieg mit!

„Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“. Ja genau. Bei meinem ersten Drohnenflug ist dieser Zauber ein umwerfender Gestank: Ich stehe auf einer frisch gedüngten Wiese und meine Augen tränen nicht nur wegen der Blicke in die gleisende Sonne.
Denn ich folge dem Jungfernflug meiner DJI Air 2S. Obwohl ich Dutzende Tutorials angesehen und das Handbuch engagiert durchgeblättert habe, ist der Anblick meiner rasant steigenden Drohne grad sehr aufregend. Die YouTube-Kollegen schmettern ihre Copter mit frecher Lässigkeit durch die Lüfte – kann ich das auch?
Kann ich natürlich nicht …
Aber ich kann auf dem Controller-Display den Haider See sehen. Von ganz oben – und bekomme eine Warnung wegen irgendwas mit 120 Metern angezeigt. Nach dem ersten Schreck finde ich die Drohne im Himmel nicht mehr wieder. Weniger Flughöhe wäre besser gewesen – ich lerne umgehend, was die Tutorials mit „Fliege auf Sicht!“ meinen.

Die Fernbedienung und die mit ihr gekoppelte Flug-App auf dem SmartPhone sind mit Bedienelementen übersäht. Ratlos tippe ich drauf herum, filme und fotografiere hauptsächlich zufällig. Ich bin leicht überfordert. Nervös, unsicher, ich fürchte, etwas falsch zu machen.
Irgendwann schaffe ich es, die Drohne in eine Art Autopilot-Modus zu zwingen. Faszinierend: Sie macht sich von alleine auf den Weg, umkreist mich mal nahe, mal weit entfernt, fliegt bisweilen gefährlich tief und verschwindet wieder in der Ferne. Die Wahl eines Flugplatzes ohne Hecken, Bäume oder Stromleitungen war eindeutig eine gute.
Dieser sogenannte QuickShot endet nach zwei Minuten wieder dort, wo er begann – über meinem Kopf. Steig- und Sinkflug sind einfach, ich wage mich an das Vor und Zurück und die ersten Kurven. Langsam beginne ich zu verstehen. Dass Zuschauer, die ich zum Glück nicht habe, ein durch die Gegend taumelndes Flugobjekt sehen würden, stört mich nicht.

Zwei meiner drei Akkus fliege ich leer, dann kommt mir eine Idee. Auf halber Strecke nach Hause liegt eine heftig blühende Apfelplantage – wie wäre es mit einem Flug zwischen den Baumreihen? Jetzt weiß ich ja, wie das funktioniert …
Gedacht, getan und versemmelt. Beim Versuch, mittig durch die Bäume zu fliegen, erscheint die nächste Warnung: „Bemanntes Flugobjekt in der Nähe!“ – ausgerechnet ein Rettungshubschrauber. Noch während ich die Meldung lese, fräsen sich zwei Rotoren durch pinke Blüten, die Motoren stoppen. Der Schreck ist groß, der Schaden zum Glück klein: Das hohe Gras dämpft den Fall. Tja. „Fliege auf Sicht!“ – und bediene nicht die falschen Steuerknüppel.

Gut, für dieses Foto hätte ich auch die normale Kamera verwenden können.
Danach verspüre ich dann doch den Drang, die Tutorials nochmals, aber konzentrierter, anzusehen. Und ich beschäftige mich eingehend mit der Flug-App, deren Einstellungen und damit, was man tun, was man lassen und worum man sich kümmern sollte. Zum Beispiel um die Registrierung des Flugapparats, um einen Kompetenznachweis und vor allem: Um eine Haftplichtversicherung. Das alles braucht seine Zeit, also veranstalte ich vorerst keine Flug-Sessions mehr.
Erst Anfang Mai wage ich es auf der Ostrampe des Stilfser Jochs wieder. Die Straße zum Pass ist ab der Franzenshöhe gesperrt, ich kann also dank wenig Verkehr relativ ungestört – bzw. relativ unstörend – einen weiteren Versuch riskieren. Und der klappt überraschend gut.

„Riskieren“ ist dabei nicht falsch. Im Laufe des Jahres sollte ich noch lernen, dass in einem Nationalpark Drohnenflüge verboten sind. Ja, ich hab‘ einen Kompetenznachweis. Eigentlich …
Doch zuerst geht es in den Urlaub. Die ligurische Küste, die französische Riviera, unsere geliebte Provence – traumhafte Landstriche stehen auf dem Programm und wollen von oben betrachtet werden. Beim Fliegen über dem offenen Meer erlebe ich eine ganz neue Art Nervenkitzel und verliere mich darin.
Mit jedem Flug fällt mir die Steuerung der Air 2S leichter. Es ist wie damals beim Erlernen des Maschinenschreibens und dem ersten, blind und fehlerfrei geschriebenen Absatz. Immer öfter fliege ich ohne Sichtkontakt, nur über die Fly-App – nach dem Motto „Piloten ist nichts verboten“. Ich mag den Kick; und dann ist da ja noch die automatische Rückkehrfunktion, buchstäblich als Fallschirm.
Deswegen will ich, wenn ich schon mal da bin, auch in der Verdonschlucht fliegen. Die Route des Crêtes ist ohnehin Pflichtprogramm. Es ist zwar brüllend heiß und die Panoramastraße gut besucht, aber ich muss einfach wissen, was die Drohne über einem 700 Meter tiefen Abgrund veranstaltet: Bricht sie den Flug ab? Erhalte ich die nächste Warnung? Alarmiert sie die französische Luftwaffe?
Nichts von alldem passiert. Nicht mal die Verdon-Geier interessieren sich dafür.
Zufrieden bin ich allerdings nicht. Meine zu hektischen Steuerbewegungen versauen jede Videoaufnahme. Was beim Ausrichten für Fotos keine Rolle spielt, brennt beim Filmen schwer zu retouchierende Wackler ins Material. Mir wird klar, warum mein Freund Alex seine Drohne hochkonzentriert, fokussiert, quasi wie in Trance bedient.
Apropos: Klickt Euch unbedingt in Alex‘ YouTube-Kanal. Er ist ein Meister seines Fachs!
Technisches
und Wissenswertes
Das „Haben Wollen“-Gefühl war nicht so intensiv, als dass ich mich mit einer neuen Drohne an die Fliegerei gewagt hätte. Aber Alex hatte zum richtigen Zeitpunkt was Passendes abzugeben:
- Hersteller: DJI
- Modell: Air 2S – Fly More Edition
- Gewicht: 595 g
- Flugzeit: +/- 30 Minuten
- 20 MP Kamera / 1″ CMOS Sensor
- Die kompletten Infos gibts auf der DJI-Website.
„Fly More“-Edition bedeutet übrigens genau das. Dank gleich drei Akkus, diversen Objektiv-Filtern, Ersatzflügeln und und und kann ich den Flugspaß ausgiebig betreiben.
Drum gib Vollgas
und flieg um die Welt!
Die Provence ist eine TraumSehnsuchtsUrlaubsregion – und offenbart sich als Schatztruhe für Luftaufnahmen. Die Strände Mentons, die Ockerfelsen von Roussillon, die Steinstadt Gordes, die Weinberge des Luberon und die unendlichen Lavendelfelder rund um Valensole – ich befliege alles, frühmorgens ab 5.00, eine Woche lang. Beim Sichten Tausender Fotos und Clips finde ich durchaus ein paar Sensationen und kann gar nicht so schnell Datenspeicher kaufen wie die Air 2S abhebt und landet. Magnifique !


Die Suche nach Filmmotiven lässt mich nicht mehr los. Während der Passportrait-Tour mit Uli von www.moppetfoto.de werde ich im Val Poschiavo fündig. Das Kreisviadukt der Rhätischen Bahn in Brusio, ein ikonischer Bau, wurde sicher schon tausendfach gefilmt.
Aber eben noch nicht von mir:
Ikonische Bauten, aus der Vogelperspektive gesehen – das gefällt mir. Und wenn es in meiner Heimat einen ikonischen Bau gibt, dann ist es der im Reschensee versunkene Kirchturm von Altgrau. Ich hab nie gezählt, wieviele Fotos davon in meiner Mediathek liegen. Hunderte sind es allemal, aber keines davon zeigt den Turm von oben. Das mag ich ändern:

Piloten
ist nichts verboten
Im November wird mir direkt vor der Haustür ein lässiger Fly-Spot eingerichtet. Die schmale Brücke über die Etsch, mittlerweile rostend und verlebt, wird ersetzt. Bevor die Bagger anrücken und den Marmor von der Fahrbahn kratzen, fliege ich ein paar Abschiedsrunden. Oben drüber und unten durch, was offenbar irgendwem nicht gefällt.
Noch am selben Tag zaubert die Gemeindeverwaltung ein seltsam argumentiertes Flugverbot aus dem Hut. Trotzdem schaue ich mir das Anheben der Brückenkonstruktion aus der Luft an – aus sicherer Distanz. Schließlich hat die Baufirma auch eine Drohne in der Luft …


Ein sehr unterhaltsames Spielzeug, so eine Drohne. Damit bekommt Unterwegssein einen neuen Reiz, bekannte und bereits hundertfach abgelichtete Fotomotive rufen nach der neuen Perspektive. Und gerade weil man damit eben nicht tun kann, was man will, wird die Verwendung mit jedem Mal bewusster: Ich drücke immer seltener nach dem Schema „Einfach mal so“ auf den Auslöser.
Die Ideen für MotorProsa werden mir auch 2026 nicht ausgehen. Auf das Anreichern dieser Geschichten mit Luftaufnahmen und Videoclips freue ich mich schon jetzt.
Galerie: Meine
Schönsten aus 2025

Übrigens: 2026 werde ich meinen YouTube-Kanal befüllen. Also, abonniere ihn schon jetzt!
Weil es so schön ist:
Das Fliegerlied von Hans Albers
Flieger, grüß mir die Sonne!
Vom Nordpol zum Südpol ist nur ein Katzensprung.
Wir fliegen die Strecke bei jeder Witterung.
Wir warten nicht, wir starten.
Was immer auch geschieht,
durch Wind und Wetter klingt das Fliegerlied:
Flieger, grüß mir die Sonne,
grüß mir die Sterne und grüß mir den Mond!
Dein Leben, das ist ein Schweben
durch die Ferne, die keiner bewohnt.
Schneller und immer schneller
rast der Propeller, wie dir’s grad gefällt.
Piloten ist nichts verboten,
drum gib Vollgas und flieg um die Welt!
Such‘ dir die schönste Sternenschnuppe aus
und bring sie deinem Mädel mit nach Haus!
Flieger, grüß mir die Sonne,
grüß mir die Sterne und grüß mir den Mond!
Hoch oben im Äther, da sind wir meist zu Haus.
Bei fünftausend Meter sieht alles anders aus.
Da gibt’s keine Grenzen, da gibt’s keinen Pass,
der Flieger fliegt und fragt nicht: Wie und was?
Flieger, grüß mir die Sonne,
grüß mir die Sterne und grüß mir den Mond!
Dein Leben, das ist ein Schweben
durch die Ferne, die keiner bewohnt.
Es war einmal ein Flieger, der jeden Flug gewann,
er flog um die Wette mit einem Hurrikan.
Er flog mit fast vierhundert zur Milchstraße empor,
der arme, alte Hurrikan verlor.
Bestens dazu passend:
Stilfser Joch – Zähl‘ von 1 bis 10!
Viel Spaß beim Betrachten!









Willkommen in der Gruppe der Drohnen-Verrückten. Ich habe seit mehreren Jahren eine und sehe mich immer noch als Anfänger. Man muss halt sehr viel üben, um ne schöne Videoaufnahme hinzubekommen, die nicht nur einfach geradeaus gefilmt ist. Gerade wenn Du über drei Achsen (Drohne steigt/sinkt, dreht sich, Gimbal kippt) ne flüssige Aufnahme hinbekommst sieht das echt spannend aus, ist halt aber schwer zu kontrollieren. Aber es wird mit der Zeit. Die paar Drohnenaufnahmen aus unserem letzten Tourvideo sind von mir https://www.youtube.com/watch?v=OzHTAJrW064 der tolle Schnitt ist von meinem Freund Stephan.
Bin gespannt, welche Videos Du uns bescherst.