
Nein – Racing ist so gar nicht meins. Mein Name stand nie auf der Ergebnis-Liste eines Motorrad-Rennens. Trotzdem: es gibt diese Rubrik, weil ich immer wieder mal, mit Herz und Leidenschaft und allen – auch zum benötigten Zeitpunkt nicht – verfügbaren Mitteln meine Motorräder auf Rennstrecken gefahren habe.

Noch bevor ich überhaupt einen Gasgriff in Händen hielt, verbrachte ich die sonntäglichen Nachmittage vor dem Fernseher. Die Rennen zum Motorrad Grand Prix waren immer gern gesehen, die fahrerischen Künste der Herren Kevin Schwantz, Eddie Lawson, Wayne Gardner, Mick Doohan, John Kocinski fesselten mich ans Sofa. Danach stillte ich meinen Speed-Drang auf dem Rennrad – nicht mögliche Schräglagen glich ich mit ausgedehntem Einrad-Fahren aus. Und heute kann ich es zugeben, es ist schon lange verjährt: Motorgeräusche machte ich in unbeobachteten Momenten natürlich auch nach.
Der Donnerstag war der zweitwichtigste Tag der Woche: Erscheinungstag der MotoSprint, einer italienischen Motorrad-Zeitschrift, die während des Sommers vor lauter Berichterstattung rund um den Rennzirkus platzte. Noch heute stapeln sich Hunderte von Ausgaben im Keller, sterben in der feuchten Luft einen schimmeligen Tod.
Weihnachten füllte regelmäßig das Bücherregal mit den neuen Racing Jahrbüchern von Friedemann Kirn. Die Poster über dem Bett trugen die Racing-Farben der großen 500er Teams.
JvS goes Racing –
Made with the Grand Prix Spirit
Mein erstes „richtiges“ Motorrad war konsequenterweise ein Racer: eine wunderschöne, schlanke und edle Suzuki RGV 250. Lag dann – ganz wie ihr Vorbild aus dem Moto Grand Prix, gefahren von Kevin Schwantz – schnell im Staub. Ich lernte, dass Racing ohne potenten Sponsor frustrierend werden kann.

Erst sehr viel später ging es mit einer Triumph Daytona T595 auf die Rennstrecke: Auftritt Salzburgring. Eine eindrückliche Erfahrung – Geschwindigkeiten über 230 km/h in Schräglage und über Bodenwellen kannte ich bis dahin nicht. Und ich lernte, dass es immer Motorräder und vor allem Fahrer gibt, die an einem vorbeifliegen, als würde man stehen.
Supermoto. Fuhren sich ab dem ersten Meter schräger und lustiger als jede Racing-Replica, und verwandelten sich im Falle eines Falles nicht augenblicklich in finanzielle schwarze Löcher. Auf einer 640er KTM entjungferte ich erstmals einen Knieschleifer und gewann auf der Rennstrecke den Kampf um den Kurveneingang. Auf der Bremse war ich ganz gut – zu gut. Der in mein Heck einschlagende Kollege besorgte mir ein Gratis-Ticket für die Fahrt in die Gipskammer. Gute Zeiten.
Natürlich versuchte ich mich auch mit der Ducati 748 in den Rennstrecken-Kurven. Dass ich gegen wesentlich schwächere Motorräder den Kampf um die Rheinring-Trophäe beschämend verlor – eine charakterbildende Maßnahme: Unterschätze niemals irgendjemand. Niemals!
Vier-Stunden-Langstrecken-Rennen im Januar, auf der Supermoto. Eigentlich geil, wenn die Klamotten warm halten und die Strecke im Gelände gefroren bleibt. War aber nach einer Stunde vorbei, Rundenzeiten und Motivation versanken knietief in rotem Schlamm und erfrorenen Fingerkuppen. Immerhin stand mein Name bis zur zweiten Stunde auf der Rangliste …
Also, dann lieber mal in der Halle fahren, im Winter? Hab‘ ich auch ausprobiert, kann ich mit einer Drogen-Erfahrung gleichsetzen: Nie zuvor und auch nachher nicht mehr war ich so von Benzindämpfen berauscht und nicht mehr Herr meiner Sinne.

Mit meiner gewaltigen KTM Superduke R vergnügte ich mich das vorerst letzte Mal auf einer Rennstrecke. Für den Rheinring in Frankreich war die Ramme jedoch zu stark, meine Nerven zu dünn und die Cojones zu alt. Spätestens, als in einer Linkskurve der aufsetzende Schalthebel von alleine die Gänge wechselte, wuchs die Erkenntnis in mir: Es reicht jetzt so langsam mit dem schrägen Dasein.
Wobei – jetzt mit der SR/F mal um den Rheinring wüten? Lautlos, aber schwarzmalend, wegen des irren Drehmoments? Oder mit einer Zero FXE in der Gokart-Halle umrühren? Es gäbe noch Einiges zu erleben 😉
Bestens dazu passend:
Mit offenen Augen durchs Unterengadin
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4 Wochen Zero SR/F – Nix? Nada? Niente?
Isa Urbancek, Inhaberin von Country Road
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Zero SR/F: The Electric Way of Drive
