Cool – die Zero FXE 7.2: Ein Fahrbericht

MotorProsa: Fahrbericht Zero FXE
Lesedauer // Reading time: 9 Min.

Zeit, Althergebrachtes über Bord zu werfen – mit schrägen Erinnerungen an meine laute Supermoto-Vergangenheit darf ich im Herzen der Schweiz das „Motorrad der Zukunft“ fahren: Meine Eindrücke zur neuen Zero FXE.

Das Symbol von MotorProsa: die Füllfeder.

Die FXE - zur Verfügung gestellt von Country Road Alpnach

Die Zero FXE für diesen Fahrbericht wurde mir von Country Road Alpnach, dem Zero-Händler für die Zentralschweiz, zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür!


Meine Motorradwurzeln liegen in der Supersportler-Szene: Tiefe Stummellenker, breite Tanks und Überall-Schmerzen als ständige Begleiter haben mich geprägt. Aber: Um die Jahrtausendwende kamen Supermotos ins Spiel. Grobschlächtige und laute Einzylinder aus Mattighofen drückten mein Dynamik-Weltbild nicht nur in irre Schräglagen, sondern auch senkrecht nach oben. Den Spaß auf der Gass‘ feierte ich in jeder Kurve.

Schluss damit war, als es am Schönsten war. 2008 präsentierte ich einem Vorderreifen zum letzten Mal das Blau des Himmels. Meine KTM LC4 625 SCSM brannte sich auf 40.000 Kilometern so tief in mein Herz, dass sie auch heute noch mein liebstes Spielzeug wäre. Sie musste – trotz aller Liebe – einem Kinderwagen weichen.

Good
 ol’times ..

Heute gibt es keine Apparate von diesem Schlag mehr – Abgas- und Lärmvorschriften haben etwas dagegen. 2002 war es noch egal, dass meine Supermoto lauter stank als erlaubt. Der einige Jahre später gefahrene, hochdrehende 690er in der KTM Duke III hat mich dann so nachhaltig enttäuscht, dass ich die aktuelle SMR gar nicht mehr fahren mag.

Abgas, Lärm und Gestank – mehr als einmal hat meine 625er beim harten Anbremsen Benzin über die Gabelbrücke gerotzt, und mehr als einmal hat mir das heftige Backfire des offenen Auspuffs ein nachhaltiges Pfeifen im Ohr besorgt. Es war nicht alles besser, früher. Aber es war definitiv anders.

Das Motorrad
 der Zukunft

Nun hat laut Zero die Zukunft begonnen – in Gestalt einer elektrischen Supermoto mit neuartigem Design. Der Schlüssel für die zu diesem Zeitpunkt einzige Zero FXE der Schweiz hängt lässig am Finger von Isa, Inhaberin von Country Road, dem Zero-Shop in Alpnach. Sie vertraut mir dieses wunderschöne Motorrad an – wow!

Ganz neu, ganz schön – vor allem in Echt: die Zero FXE

Ganz neu, ganz schön – vor allem in echt: die Zero FXE

Wunderschön – das waren meine KTMs nie. Ihre Performance war mir wichtiger als die Optik. Die in der Schweizer Sonne strahlende FXE allerdings hat was. Unter anderem auch einen Schnabel über dem Vorderrad, der auf den ersten Blick zum Umbau ruft. Aber er tut das nur kurz, denn auf den zweiten Blick sieht er doch gut aus.

Basis der FXE ist die FXS von Zero. Auch diese ist wahrlich kein hässliches Entlein – aber die kreativen Köpfe von Huge Design haben sie in einen Schwan verwandelt. Mein Blick bleibt, kaum dass ich im flachen Sattel sitze, an den kurvigen und glatten Oberflächen des Pseudo-Tanks hängen. Kein kantiger Schraubverschluss mit Überlauf stört das Unterleibs-Annähern an den Lenker, keine lustig in der Luft flatternden Tankspoiler verstören mit Spaltmaßen des Todes.

Die Elektro-Supermoto zeigt edle Optik mit sehr schöner Anfass-Qualität. Wie ein modernes SmartPhone erfreut das vollfarbige TFT-Display im Cockpit – aber es kann meine Fragezeichen wegen der billigen Blinker aus der Wühlkiste, noch dazu ohne ohne LED-Technik, nicht verhindern.

Wenigstens gehen im Falle des unausweichlichen Falles – oder beim Hängenbleiben mit den Cross-Stiefeln – nur wenige Euro für Ersatzblinker über die Werkstatt-Theke. War schon bei meinen KTMs immer ein Vorteil.

Irrwitzige
 Power

Der ZF 75-5 Motor im Aluminium-Rahmen überrascht mit seinem rauhen Geräusch. Meine eigene SR/F rollt im Vergleich viel sanfter und leiser, irgendwie cremiger an – aber schon nach wenigen Metern gewöhne ich mich daran, denn die DSR, auf der Isa voraus fährt, klingt nahezu gleich. Leicht und handlich läßt sich die FXE um Kanaldeckel zirkeln, das Ausweichen von imaginären Hindernissen auf der Fahrbahn passiert blitzartig, gefühlt nur vom Daran-Denken gesteuert. Meine ultraspaßige SR/F, die ich in den Tagen zuvor über 1500 km durch die Zentralschweiz geroadstert habe, ist frontlastiger und – das klingt irre – träger.

Der Knopf, der an meiner SR/F den Tempomaten aktiviert, wechselt auf der FXE die Fahrprofile. Es ist eine Supermoto, und sie ruft nach Sport – 106 (!) augenblicklich in den Hinterreifen einfahrende Nm Drehmoment und ein hart an meinen Armen zerrender Lenker definieren den mir bekannten Supermoto-Sport ganz neu.

Dürfte in der Supermoto-Szene einiges bewegen: die Zero FXE

Dürfte in der Supermoto-Szene einiges bewegen: die Zero FXE

DAMIT ist kurvenausgangs, egal ob in der Karthalle oder auf der Supermoto-Piste, der Platz an der Front garantiert. Die FXE wird sich an den stampfenden Einzylindern mit ihren selten mehr als 70 Nm pfeifend vorbeireißen, und das allein mit einem lässigen Dreh am rechten Griff. Gänge-Sortieren mit derben Cross-Stiefeln oder permanente Zwiesprache mit dem Kupplungshebel verlangt die FXE nicht, und auch das Stempeln des Hinterrads beim queren Anbremsen, als Enttarnung von mangelndem Fahrkönnen, dürfte die Supermoto der Zukunft nicht kennen.

Wie lange dies feierbar ist, bleibt noch offen. Aber in meiner verblassenden Erinnerung war ich nach 20 Minuten Rennstreckenspaß stets zur Genüge weichgeprügelt. Wenn sich in den Fahrer-Erholungspausen ein Stromkabel an die FXE legen lässt, wird der 7,2 kWh speichernde Akku ohne Weiteres einen lustigen Tag auf der Piste ermöglichen.

Spannend, im Sinne von „Wo werde ich hängen bleiben?“ dürfte eine Stilfserjoch-Attacke im JvS-Stil werden. Runter kommen sie immer, auch mit totem Akku. Trotzdem wäre eine dickere Lademöglichkeit schön gewesen, um unterwegs ein paar Kilometer nachladen zu können. Das für AC-Laden notwendige Drumherum inkl. Ladekabel würde gegen das sensationell niedrige Gewicht von nur 135 kg arbeiten – aber die mageren 650 W, die in der Standard-Konfiguration in den Akku tropfen, verdammen die leergefahrende FXE in die nächtliche Garage. Unterwegs laden wird langwierig.

Aber Freunde, nochmal zum Mitlesen:

106 Nm, 135 kg.

Das ist
 der neue Spaß auf der Gass‘!

Ich bin Fahrwerks-Ignorant. Das magische Zusammenspiel von Federn, Dämpfern und Öl erschließt sich mir auch nach 30 Jahren Motorradfahren nicht, also fahre ich meine Motorräder so, wie sie aus dem Laden kommen. Auf der Fahrt zum Bürgenstock, hoch über dem Vierwaldstättersee, stellt mir die FXE jedenfalls keine Fragen. Sie schwingt ohne Störgefühle durch Kehren und Kurven, federt die wenigen Fahrbahn-Unebenheiten unauffällig weg. Und ich glaube, dass ein unauffälliges Fahrwerk ein gutes Fahrwerk ist.

Wer mag, kann der FXE natürlich ein verhaltensauffälliges Fahrwerk verpassen: Upside-Down-Gabel und Federbein sind voll einstellbar.

Wenig überraschend, wirbelt sich die FXE nicht nur spaßig auf den Berg, sondern auch wieder ins Tal. Auf der Sitzbank rutscht es sich leicht nach vorne, mit dem entstehendem Druck auf das Vorderrad kommen illegale Schräglagen in den Serpentinen von ganz allein. Die Bremse hat im Switzerland-Modus wegen der Rekuperations des Motors wenig zu tun, würde aber ohne Zweifel erfreuliche Stoppies erlauben. Das teste ich ein anderes Mal, denn Isa hat mich wachsam im Rückspiegel. Außerdem verlangt der Schweizer Bußenkatalog für solche Kunststücke viel Spielgeld, auf dem Ticket steht dann „Grober Unfug“ ..

Möglich, aber nicht unbedingt der perfekte Untergrund für die Zero FXE

Möglich, aber nicht unbedingt der perfekte Untergrund für die Zero FXE

Supermoto bedeutet auch Gelände – und Gelände gibt’s im Alpnacher Hinterland zur Genüge. Die Diablos fühlen sich auf fett begrasten Feldwegen natürlich komisch an, ich belasse es daher bei einem kurzen Foto-Intermezzo im Schatten einer Almhütte.

Bei der Ehrenrunde um den Sarner See, mit Blick auf die bisher zurückgelegte Strecke und die verbleibende Restreichweite, kommen wieder Erinnerungen an meine 625er KTM hoch. Die trug ein totes Display und einen 9 Liter-Tank über ihrem klappernden Einzylinder und begann beim Kehrenkampf sofort das Saufen. Mein Rekord liegt noch immer bei fünf Tankstopps an einem Tag – selten kam die KTM weiter als 120 Kilometer.

Diese Strecke schafft die FXE locker. Nur nicht fünfmal hintereinander – nicht schlimm, denn ich würde mittlerweile auch daran scheitern. Aber, und das ist herrlich: Das Hantieren mit fettigen Ölkanistern, Filtern und immer verrutschenden Dichtringen, wie es bei meiner 625er alle 1.500 km – also alle zwei Wochen … – notwendig war, ist Geschichte. An Wartungsarbeiten verlangt die FXE lediglich Bremsen-, Luftdruck- und Profilkontrolle, dank Zahnriemen saut sich das Hinterrad nicht mit Kettenspray ein.

Für den letzten Fotostopp rolle ich nochmal an das Ufer des Sarner Sees – illegal an Amtsverboten vorbei, über geschotterte Fußgänger-Wege, zwischen Bäumen hindurch, über gepflegten Rasen, mit freundlichen Grüßen für stöckchenfangende Hunde. Niemand stört sich daran, von bösen Blicken bleibe ich unbehelligt. Ganz im Gegenteil – ich freue mich über mehrere hochgereckte Daumen.

Das Motorrad der Zukunft ändert also auch die nicht motorradfahrenden Mitmenschen und weckt immer und überall Interesse an Reichweite, Ladezeiten und Preis. Mit öltropfenden, klappernden Supermotos aus der Vergangenheit ist mir das nie passiert.

Erlaubt einiges mehr als "normale" Motorräder: die Zero FXE

Erlaubt einiges mehr als „normale“ Motorräder: Die Zero FXE

Bei den letzten Sonnenstrahlen stehe ich vor dem Country Road-Shop und lasse meine Augen nochmals über dieses wirklich schöne Motorrad wandern. Im Geiste kommt eine radikale Bremsanlage ins Vorderrad, eine radiale Bremspumpe an den Lenker. Der Seitenständer wäre sofort Geschichte, seinen Job übernähmen Alubügel am Lenker. Das Ding wird beim Halt einfach irgendwo angelehnt. Dann noch zwei „Supermoto Syndikat“ Aufkleber an’s Plastik, fertig!

Fahrbericht Zero FXE: Dankeschöns, High-Fives & Links

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6 Kommentare zu „Cool – die Zero FXE 7.2: Ein Fahrbericht“

  1. Hallo Jürgen,
    ich bin auf diesen Post gestoßen weil ich nach Zero FXE gegoogelt habe, und dies wiederum weil ich auf der 1000PS Bestzeitliste nach Zero gesucht habe.
    Schön zu sehen, dass es noch so einen (Noch-)Exoten gibt der für E-Antrieb offen ist!
    Ich bin in dieser Saison dabei, mir wieder ein Motorrad zuzulegen – nach einer (unfallbedingt gestarteten) Pause von 4 Jahren. Und bei Suche nach der für mich passenden Maschinenart sehe ich, dass das gar nicht so leicht ist. Ich bin kein Typ, der Kettenpflege als Hobby hat. Da bin ich also bei wenigen Chopper-artigen Maschinen mit Riemenantrieb oder BMW oder Guzzi mit Kardan, also großvolumige, schwere Maschinen. Auf der anderen Seite denke ich an downsizing, leichte, wendige Maschinen.
    Nach einer Probefahrt mit einer Moto Guzzi V7 Sport am Samstag ertappte ich mich mit dem Gedanken: dieses Schalten ist schon nervig; ich muss ständig – wie ein Maschinist – die Drehzahl in einem Bereich (2000 bis 6000+ U/Min) halten in dem der Motor performant arbeiten kann.
    Ich hatte eine Honda NC 750 S DCT mit Doppelkupplungsgetriebe und Schaltautomatik gefahren, da ist das schon ganz angenehm.

    Und somit bin ich bei E-Maschinen. Ist vielleicht JETZT an der Zeit, den Wechsel der Antriebsart zu vollziehen. (Ich fahre ja schon sein 8 1/2 Jahren Tesla Model S und bin vom elektrischen Fahren begeistert; ich sehe mit Freuden, dass Du ein Model 3 fährst.)
    Ich hatte immer als Kriterium, dass ich mit den Verbrenner-Kumpels eine Tagestour machen können muss, das muss ich z. T. abschminken.
    Bei E-„Mopeds“ bleibt bei mir die Auswahl: soll es eine mittellange-Tour-taugliche Maschine wie eine Zero, Energica, Lightwire oder eine Honda WN 7 werden oder eine ganz leichte, die ich (hautsächlich) im Wald oder auf Feldwegen bewege wie eine Blacktea Bonfire oder eine Sur-Ron Light Bee (die könnte ich ohne Akku auf dem Fahrradträger in andere Regionen zur Ausfahrt bringen) – ich fahre nicht mehr so gerne auf der Straße seit ich zuletzt von der Maschine geholt wurde weil mir die Vorfahrt genommen wurde.
    Oder vielleicht ein Retro-E-Motorrad für Kaffee-Ausfahrten wie die Maeving RM1.
    Dies ist ein Tipp, vielleicht auch mal eine dir Unbekannte der genannten Typen zu er-fahren 😉
    Newletter ist abonniert.


    Noch Etwas zu deiner Website: Ich vermisse das Datum des Artikels – die Zeit wann er entstanden ist, ist doch relevant. Ich sehe sie nur wenn ein Kommentar vorhanden ist.

    Schöne Grüße aus Oberfranken in Nordbayern!
    Robert

    Antworten
  2. Hallo Jürgen,
    es freut mich mal wieder einen Artikel von dir lesen zu dürfen, wie gewohnt in einem Stil der Lust auf’s weiterlesen macht.
    SuperMoto ist nicht meine Welt, die DUKE III war mir irgendwann zu anstrengend zu fahren.
    So blieb ich bei meiner ZERO SR/F und freu mich auf weitere Geschichten aus deiner Feder.

    Grüße aus Oberschwaben
    Andreas

    Antworten
  3. Gut getroffen. Die magere Lademöglichkeit hält mich bisher auch ab, mir einen kleine Zero in die Garagen zu stellen. 650 Watt sind einfach gar nichts. Erst recht, wenn man seine Energica mal mit 23 kW geladen hat.
    Freue mich aber auf weitere spannende E-Motorräder in der Zukunft!

    Antworten
  4. Hallo Jürgen,
    Schöner Artikel. Super Moto ist zwar nicht ganz so meine Welt, muss auch keine 135Kg für mich sein, aber es zeigt was mit E geht.
    Gute Zeit für Dich, – im schönen Vinschgau – mit einem sonnigen Winter!
    Gruß Rolf

    Antworten
  5. Servas Jürgen,
    wieder einmal ein sehr guter Bericht über (D)ein neues Fahrgefühl!
    Du machst mich sehr neugierig – mal sehen, ob ich mir ebenfalls einmal ein E-Motorrad ausleihen kann.
    Wie häufig musst Du denn „nachladen“ und wieviel Zeit geht dabei drauf? Und kannst Du das an einschlägigen E-Zapfsäulen machen?

    Jedenfalls, herzlichen Dank für diesen wunderbaren Bericht.
    Die Linke zum Gruße
    Elke

    Antworten
    • Hallo Elke,
      Vielen herzlichen Dank für Deinen Kommentar. Versuch das ruhig mal, elektrisch unterwegs zu sein, hat seinen ganz eigenen Reiz! Im Falle der FXE kann ich zu Ladezeiten und Reichweiten leider nichts sagen – ich hab mich im Rahmen der Möglichkeiten bewegt. Bei meiner eigenen SR/F erreiche ich jedoch immer ca. 150 km, ausser, es geht sehr sportlich zu. Dann wird’s, wie bei einem Verbrenner, natürlich weniger. Die SR/F lädt an Typ-2-Ladesäulen, die stehen zumindest hier in Südtirol und auch in der Schweiz an jeder Ecke.

      Meist lade ich ca. eine halbe Stunde, das reicht für 40 bis 50% zusätzliche Akku-Ladung. Man fährt so ein E-Bike ja nicht komplett leer und lädt es dann wieder voll – in diesem Fall würde meine SR/F zwei Stunden stehen. Die FXE im Bericht ist leider nicht so schnell, lädt aber dafür an jeder Haushalts-Steckdose.

      Liebe Grüsse, und Allzeit gute Fahrt!
      Jürgen

      Antworten

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